Praxisverwaltung: So finden Sie das passende PVS.

Ein Praxisverwaltungssystem (PVS) ist die zentrale Software einer Arzt- oder Zahnarztpraxis: Es verwaltet Stammdaten, Termine, Dokumentation und Befunde und erstellt die Abrechnung mit der Kassenärztlichen bzw. Kassenzahnärztlichen Vereinigung. Über das PVS laufen auch die Anwendungen der Telematikinfrastruktur wie E-Rezept, eAU und elektronische Patientenakte.

Für: Arzt- und Zahnarztpraxen, MVZ und Praxisverbünde, Psychotherapeutische Praxen, Anbieter von Zusatzlösungen mit PVS-Anbindung

Stand Oktober 2026. Redaktion: Jan Heinemann, Gründer Health Solution Finder & Open Healthcare Alliance. So entstehen die Einträge.

Was leistet ein Praxisverwaltungssystem?

Das PVS bildet den Praxisalltag von der Anmeldung bis zur Abrechnung ab. Kernfunktionen sind die Patientenverwaltung mit Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte, die Behandlungsdokumentation, Formulare und Verordnungen, die Abrechnung nach EBM bzw. GOÄ oder BEMA/GOZ sowie Auswertungen für die Praxisführung.

Um diesen Kern legen sich weitere Bausteine: Online-Terminbuchung, Telefonassistenz, digitale Anamnese, Videosprechstunde oder Dokumentenmanagement. Ob sie im PVS enthalten sind oder als Zusatzprodukt angebunden werden, unterscheidet die Systeme deutlich.

Welche Vorgaben gelten für Praxissoftware?

Für die Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung muss die Software die Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) erfüllen; die KBV prüft und zertifiziert die entsprechenden Module. Die Anbindung an die Telematikinfrastruktur folgt den Spezifikationen der gematik.

Für Zahnarztpraxen gelten eigene Abrechnungsregeln der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Dental- und KFO-Systeme sind deshalb eine eigene Kategorie im Solution Finder.

Cloud oder lokal installiert?

Klassische PVS laufen auf einem Server in der Praxis. Cloud-Systeme werden im Browser genutzt und vom Anbieter betrieben. Cloud-Lösungen verlagern Updates, Datensicherung und einen Teil der IT-Sicherheit zum Anbieter; dafür rücken Hosting-Standort, Auftragsverarbeitung, Verfügbarkeit und die Internetanbindung der Praxis in den Vordergrund.

Lokale Installationen geben mehr direkte Kontrolle, verlangen aber eigene Wartung, Backups und Sicherheitsmaßnahmen – oft über einen IT-Dienstleister.

Schnittstellen und Zusatzsysteme

Wie gut ein PVS mit anderen Systemen zusammenarbeitet, entscheidet über doppelte Datenpflege im Team. Verbreitet sind GDT für Medizingeräte, HL7 FHIR für den Datenaustausch, KIM für die sichere Kommunikation und herstellerspezifische Schnittstellen für Terminbuchung oder Telefonassistenz.

Im Solution Finder können Sie Anbieter nach dem Merkmal „PVS-Integration“ filtern. Das zeigt, welche Zusatzlösungen eine Anbindung an Praxisverwaltungssysteme angeben – nicht, mit welchem PVS genau.

Wechsel des PVS planen

Ein Systemwechsel betrifft Patientendaten, Abrechnungshistorie, Formulare und Arbeitsabläufe. Klären Sie früh, in welchem Format die Altdaten übernommen werden, wer die Migration durchführt, wie lange beide Systeme parallel laufen und wann das Team geschult wird.

Der Gesetzgeber verpflichtet Praxissoftware zu offenen Schnittstellen für Archivierung und Systemwechsel (§ 371 SGB V). Fragen Sie den neuen und den bisherigen Anbieter, welche Exportwege konkret unterstützt werden.

Worauf achten?

Vor der Entscheidung lohnt ein strukturierter Vergleich – am besten mit Testzugang und Referenzpraxis der gleichen Fachrichtung.

  • Abrechnung für Ihre Versorgungsform (vertragsärztlich, privat, zahnärztlich) und Fachrichtung
  • TI-Anbindung inklusive E-Rezept, eAU, KIM und elektronischer Patientenakte im Praxisalltag
  • Betriebsmodell: Cloud oder lokal, Hosting-Standort, Auftragsverarbeitung, Datensicherung
  • Schnittstellen zu Terminbuchung, Telefonassistenz, Medizingeräten und Labor
  • Datenübernahme beim Wechsel, Exportformate und Parallelbetrieb
  • Preismodell: Lizenz, monatliche Kosten, Module, Updates, Support und Mindestlaufzeit
  • Schulung, Supportzeiten und Erreichbarkeit bei Störungen

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Häufige Fragen

Was ist ein PVS?

PVS steht für Praxisverwaltungssystem. Es ist die zentrale Software einer Arztpraxis für Patientenverwaltung, Dokumentation, Verordnungen und Abrechnung.

Braucht ein PVS eine Zertifizierung?

Für die Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung müssen die entsprechenden Module die Vorgaben der KBV erfüllen und von ihr zertifiziert sein. Zahnärztliche Systeme richten sich nach den Vorgaben der KZBV.

Ist ein Cloud-PVS datenschutzkonform möglich?

Ja, wenn Auftragsverarbeitung, Hosting-Standort, Verschlüsselung und Zugriffsrechte sauber geregelt sind. Prüfen Sie den Auftragsverarbeitungsvertrag und die Angaben des Anbieters zum Rechenzentrum.

Wie läuft ein PVS-Wechsel ab?

Üblich sind Datenexport aus dem Altsystem, Migration durch den neuen Anbieter, ein Stichtag mit kurzer Parallelphase und Schulungen für das Team. Planen Sie den Wechsel außerhalb von Quartalsenden.

Wie finde ich Zusatzlösungen, die mit meinem PVS funktionieren?

Filtern Sie im OHA Solution Finder nach „PVS-Integration“ und prüfen Sie im Anbieterprofil, welche Systeme konkret angebunden sind. Fragen Sie im Zweifel beim Anbieter nach.

Quellen

Weitere Ratgeber