Waadtländer Parlament genehmigt Epic-KIS-Projekt – Debatte um 200 Millionen Franken und digitale Souveränität

Das Parlament des Kantons Waadt hat grünes Licht für die nächste Phase des Epic-Krankenhausinformationssystem-Projekts gegeben. Dieses Vorhaben, dessen Kosten sich auf über 200 Millionen Franken belaufen, löst eine intensive Diskussion über die Abhängigkeit von US-Anbietern und die Datensouveränität aus. Die Entscheidung unterstreicht die Tendenz zu integrierten Plattformlösungen im Schweizer Gesundheitswesen und wirft Fragen nach künftigen Ausschreibungsstrategien auf.

Im Kanton Waadt hat das Parlament einen entscheidenden Schritt zur Einführung eines neuen Krankenhausinformationssystems (KIS) des US-Anbieters Epic vollzogen. Trotz erheblicher Bedenken hinsichtlich der prognostizierten Kosten von mehr als 200 Millionen Schweizer Franken sowie der potenziellen Abhängigkeit von einem ausländischen Softwareanbieter und Fragen der Datensouveränität, wurde das Projekt in der ersten parlamentarischen Lesung befürwortet. Das Vorhaben zielt darauf ab, bestehende IT-Infrastrukturen durch eine einheitliche Epic-Plattform zu ersetzen. Diese soll klinische Dokumentation, administrative Prozesse und die Datenhaltung in den kantonalen Gesundheitseinrichtungen integrieren und optimieren. Befürworter erwarten sich daraus verbesserte Effizienz, eine höhere Interoperabilität und eine moderne digitale Basis für die Spitäler des Kantons. Demgegenüber warnen Kritiker vor einer sogenannten Vendor-Lock-in-Situation, bei der eine starke Bindung an einen einzelnen Anbieter entsteht. Zudem werden Risiken in Bezug auf die Datenhaltung bei einem US-Unternehmen und hohe Gesamtkosten über die gesamte Nutzungsdauer des Systems angeführt. Diese Debatte beleuchtet grundlegende Aspekte der digitalen Souveränität im Gesundheitswesen, die auch in anderen Schweizer Kantonen und auf nationaler Ebene intensiv diskutiert werden. Die Entwicklung im Kanton Waadt ist symptomatisch für den aktuellen Trend zu umfassenden, integrierten Plattformlösungen im Gesundheitsbereich. Sie festigt die Marktposition von Epic in der Schweiz und beeinflusst die Gestaltung zukünftiger E-Health-Architekturen. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle alternative, möglicherweise europäisch geprägte Systemlösungen in kommenden Beschaffungsprozessen spielen werden.