Gesundheitshotline 1450: Ausbau zu Telemedizin-Drehscheibe in Österreich umstritten

Österreich plant den Ausbau der Gesundheitshotline 1450 zu einer bundesweiten Telemedizin-Plattform inklusive E-Rezept und E-Krankschreibung. Während die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) eine Zentralisierung und ein eigenes Telemedizinangebot ab 2027 anstrebt, äußern das Gesundheitsministerium und mehrere Bundesländer Vorbehalte. Die Debatte konzentriert sich auf Governance, Finanzierung und die operative Umsetzung.

Die Zukunft der österreichischen Gesundheitshotline 1450 und ihr geplanter Ausbau zu einem nationalen telemedizinischen Knotenpunkt sind Gegenstand intensiver Diskussionen. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) verfolgt das Ziel, den Betrieb von 1450 zu zentralisieren und ab dem Jahr 2027 ein eigenes Telemedizinangebot über eine Public-Private-Partnership (PPP)-Gesellschaft zu etablieren. Im Rahmen der laufenden Gesundheitsreform wurde vereinbart, ein einheitliches Basisangebot für ganz Österreich zu schaffen. Dieses soll eine medizinisch fundierte Ersteinschätzung rund um die Uhr, ärztliche Konsultationen, Terminvermittlung und Telemedizin umfassen. Ein weiterer Entwicklungsschritt sieht explizit ärztliche Videokonsultationen, die Ausstellung von E-Rezepten und, wo praktikabel, E-Krankschreibungen vor. Das Gesundheitsministerium betont jedoch, dass die Sicherstellung einer bundesweit einheitlichen Qualität und Funktionalität der Hotline von zentraler Bedeutung ist. Eine Übertragung des operativen Betriebs an die ÖGK sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht beschlossen. Mehrere Bundesländer äußern Skepsis bezüglich einer vollständigen Zentralisierung, da sie unterschiedliche regionale Bedürfnisse hervorheben. Aktuell läuft eine österreichweite Ausschreibung für telemedizinische Leistungen, die über 1450 verfügbar gemacht werden sollen; laut ÖGK gibt es bereits mehrere Interessenten. Die Kasse plant, Telemedizin primär dann einzusetzen, wenn kein Notfall vorliegt und die Versorgung durch niedergelassene Ärzte nicht sofort verfügbar ist, um 1450 als gezieltes Steuerungsinstrument im Gesundheitssystem zu nutzen. Die finalen Entscheidungen über Governance, Finanzierung und technische Umsetzung der Hotline 1450 und ihrer Telemedizin-Komponenten werden maßgeblich beeinflussen, wie Bürger zukünftig den digitalen Zugang zum Versorgungssystem nutzen und welche Rolle Telemedizin im regulären Gesundheitsbetrieb spielen wird. Quelle: Die Presse / MedMedia