Gesundheits-Apps: Potenzial für medizinische Versorgung bleibt in Deutschland ungenutzt
Eine aktuelle Erhebung des Beratungsunternehmens Deloitte beleuchtet die Nutzung von Gesundheits-Apps in Deutschland. Sie zeigt, dass digitale Anwendungen primär für Lifestyle-Zwecke eingesetzt werden, während ihr medizinisches Potenzial, insbesondere bei chronischen Erkrankungen oder unter ärztlicher Begleitung, weitgehend unerschlossen bleibt. Trotzdem signalisiert die Bevölkerung eine hohe Bereitschaft zur Integration digitaler Gesundheitsdaten in die Patientenversorgung.
Eine von Deloitte durchgeführte Befragung zur Verwendung digitaler Gesundheitsanwendungen in Deutschland offenbart, dass die Bürgerinnen und Bürger diese primär zur Optimierung ihres Lebensstils nutzen. Der Fokus liegt dabei auf Fitness-Trackern und ähnlichen Apps, die zur allgemeinen Steigerung des Wohlbefindens beitragen, anstatt gezielt zur Behandlung oder Überwachung medizinischer Zustände eingesetzt zu werden. Die Untersuchung hebt hervor, dass die Anwendung von Apps zur Überwachung chronischer Erkrankungen oder auf ärztliche Empfehlung hin noch immer eine untergeordnete Rolle spielt. Dies deutet auf eine deutliche Diskrepanz zwischen den technischen Möglichkeiten digitaler Medizin und deren tatsächlicher Implementierung im deutschen Gesundheitssystem hin. Es besteht eine ungenutzte Chance, die Versorgungseffizienz durch digitale Lösungen zu steigern. Positiv stimmt die grundsätzlich hohe Akzeptanz digitaler Werkzeuge unter den Befragten, sofern ihr Nutzen klar erkennbar ist. Eine signifikante Anzahl der Nutzer wäre bereit, Gesundheitsdaten aus Apps verstärkt in die Arzt-Patienten-Kommunikation und in die allgemeinen Versorgungsprozesse einzubinden. Dies eröffnet Perspektiven für eine tiefere Integration digitaler Angebote. Für Anbieter von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA), Telemonitoring-Lösungen und Krankenversicherungsprogrammen zeigt sich ein beträchtliches, doch noch nicht voll ausgeschöpftes Marktpotenzial. Um dieses zu realisieren, sind engere Kooperationen mit medizinischen Leistungserbringern und eine bessere Einbettung in die klinischen Arbeitsabläufe essenziell. Deutschland steht somit vor der Aufgabe, den Schritt von einem fragmentierten App-Markt hin zu einem kohärenten digitalen Versorgungsökosystem zu vollziehen. Quelle: Deutsches Ärzteblatt