GeDIG-Entwurf: Ärzteschaft warnt vor Kassen-Zugriff auf ePA-Daten

Ein Gesetzesentwurf zur digitalen Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) sieht vor, dass Krankenkassen erweiterte Zugriffsrechte auf Daten der elektronischen Patientenakte (ePA) erhalten. Dies stößt bei Ärzteverbänden auf erhebliche Kritik, die eine unerwünschte Einmischung in die Patientenversorgung befürchten. Das Bundesgesundheitsministerium erwartet indes jährliche Einsparungen von über 400 Millionen Euro durch die Digitalisierungsmaßnahmen.

Das geplante Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) in Deutschland sorgt derzeit für kontroverse Diskussionen unter den Akteuren des Gesundheitswesens. Der Entwurf ermöglicht es Krankenkassen, umfangreiche Informationen aus der elektronischen Patientenakte (ePA) zu nutzen. Hierzu zählen die Auswertung von Diagnosen, Medikationsplänen und digitalen Behandlungsdaten, aber auch die direkte Patientenansprache, ohne dass eine vorherige Abstimmung mit den behandelnden Ärzten notwendig wäre. Ärzteverbände äußern sich kritisch zu diesen Plänen. Sie sehen in der erweiterten Datenhoheit der Kassen sowie der Möglichkeit der direkten Patientenansprache eine potenzielle Einmischung in die medizinische Versorgung und die ärztliche Autonomie. Die Bedenken reichen bis zur Sorge, dass terminvermittelnde Apps oder andere Kassendienstleistungen die Arzt-Patienten-Beziehung beeinflussen könnten. Demgegenüber stehen die Erwartungen des Bundesgesundheitsministeriums. Es prognostiziert durch die im GeDIG vorgesehenen Digitalisierungsmaßnahmen eine jährliche Entlastung von 445 Millionen Euro, insbesondere durch effizientere Prozesse in der ambulanten Versorgung. Der Entwurf wurde bereits im Juli von der Bundesregierung beschlossen und soll im Herbst in den Bundestag eingebracht werden. Die laufenden digitalpolitischen Gesetzesvorhaben umfassen zudem Aspekte wie den erweiterten Zugang zu Ersteinschätzungsverfahren und digitalen Terminbuchungen für Versicherte über die ePA. Die Debatte um das GeDIG verdeutlicht die vielschichtigen Herausforderungen und Spannungsfelder, die mit der fortschreitenden Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens verbunden sind, insbesondere im Hinblick auf Datenökonomie, Versorgungsinnovation und die ärztliche Entscheidungsfreiheit. Quelle: Multipolar Magazin / Bundesgesundheitsministerium / Kassenärztliche Vereinigungen