Avenir Suisse kritisiert EPD: Schweizer Digitalisierungsstrategie muss überarbeitet werden
Die Denkfabrik Avenir Suisse bewertet das Schweizer Elektronische Patientendossier (EPD) als mangelhaft und nicht zielgerichtet. Hauptkritikpunkte sind die geringe Akzeptanz und fehlende Interoperabilität, die den notwendigen Datenaustausch im Gesundheitswesen behindern. Es werden verbindliche Standards und eine strukturelle Neuaufstellung gefordert, um die Digitalisierung der Versorgung zu ermöglichen.
Die schweizerische liberale Denkfabrik Avenir Suisse übt scharfe Kritik am aktuellen Zustand des Elektronischen Patientendossiers (EPD). Trotz signifikanter Investitionen durch den Bund sei das System derzeit nicht funktionsfähig und verfehle seine wesentlichen Ziele. Die geringe Nutzung, sowohl durch Patientinnen und Patienten als auch durch medizinische Fachkräfte, wird als zentrales Problem identifiziert: Lediglich rund ein Prozent der Bevölkerung hat ein EPD eröffnet, und die aktive Nutzung durch Ärztinnen und Ärzte ist marginal. Als Hauptursachen für diese Defizite benennt Avenir Suisse das Fehlen einheitlicher und verbindlicher Standards für den Datenaustausch sowie unzureichende Schnittstellen und mangelnde Interoperabilität zwischen den verschiedenen Informationssystemen. Die aktuelle Struktur verhindere eine effiziente Vernetzung und den reibungslosen Informationsfluss, der für eine moderne digitale Gesundheitsversorgung unerlässlich wäre. Zur Behebung dieser Mängel schlägt Avenir Suisse einen dreistufigen Reformprozess vor. Zunächst soll der Bund verbindliche Normen und Schnittstellen definieren, deren Implementierung finanziell unterstützen und deren Einhaltung strikt überwachen. Anschliessend müssten sämtliche beteiligten Informationssysteme diese Vorgaben erfüllen und entsprechend zertifiziert werden. Aufbauend darauf sollen Leistungserbringer und Unternehmen motiviert werden, digitale Anwendungen zu entwickeln und die systemübergreifende Vernetzung aktiv voranzutreiben. Diese Analyse von Avenir Suisse hat eine wichtige Debatte über die Zukunft des EPD angestossen und verstärkt den Druck auf Bund und Kantone. Es wird erwartet, dass die E-Health-Strategie unter Berücksichtigung klarer technischer Vorgaben und einer stärkeren Ausrichtung auf Interoperabilität überarbeitet werden muss. Ziel ist es, ein nutzerfreundliches System zu schaffen, Doppelstrukturen zu vermeiden und die flächendeckende Funktion digitaler Versorgungsprozesse wie elektronische Medikationspläne und telemedizinische Dokumentation zu gewährleisten. Quelle: Penso / watson.ch / Medinside